Deutsche Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 ihre Investitionen in China deutlich erhöht. Laut einer Auswertung von Bundesbankdaten durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln flossen rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich in die Volksrepublik. Dieser Betrag liegt etwa ein Drittel über dem Vorjahreszeitraum und entspricht dem langfristigen Durchschnitt der Halbjahreswerte von 2020 bis 2025.
Trotz politischer Risiken und harter Konkurrenz bleibt China für viele deutsche Unternehmen ein strategisch wichtiger Markt. Die Investitionen werden zunehmend aus eigenen Gewinnen vor Ort finanziert, was auf die wachsende Bedeutung des chinesischen Marktes hinweist.
Strategische Bedeutung Chinas für deutsche Unternehmen
Für viele deutsche Unternehmen ist China nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein ›Fitnesscenter‹ wie IW-Experte Jürgen Matthes es beschreibt. Dahinter steckt die Idee, dass Unternehmen, die sich in der harten Konkurrenz in China behaupten können, auch auf dem Weltmarkt erfolgreicher sein werden. China dient somit als Testfeld für globale Wettbewerbsfähigkeit.
Die anhaltend hohen Investitionen haben auch mit dem Yuan-Kurs zu tun. Die Produktion in China ist künstlich vergünstigt, da der Staat Unternehmen subventioniert und die unterbewertete Währung chinesische Waren zusätzlich verbilligt. Um im globalen Preiswettbewerb bestehen zu können, müssen deutsche Unternehmen selbst stärker in China produzieren und die Wettbewerbsverzerrungen für sich nutzen.
Gespaltene Entwicklung und Abwanderung von Arbeitsplätzen
Hinter der stabilen Gesamtzahl der deutschen Investitionen verbirgt sich eine gespaltene Entwicklung. Einige Firmen fahren ihr China-Geschäft zurück, da das Umfeld schwieriger geworden ist und der Konkurrenzdruck enorm ist. Seit 2017 übersteigt der Wert der aufgelösten Beteiligungen den der neuen. Zwischen 2017 und 2024 investierten deutsche Firmen jährlich zwei Milliarden Euro in neue Beteiligungen, lösten jedoch bestehende im Wert von 3,6 Milliarden Euro auf.
Ein ähnliches Bild zeigen die Direktinvestitionskredite. Seit 2023 holen sich die deutschen Mutterkonzerne Geld von ihren chinesischen Töchtern. 2025 waren es 2,7 Milliarden Euro. Diese Entwicklung zeigt, dass trotz der hohen Investitionen auch eine Abwanderung von Produktion und Arbeitsplätzen nach China stattfindet.
Forderungen nach härteren Maßnahmen
Die deutsche Industrie hat zuletzt den Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht, einen härteren Kurs gegenüber China einzuschlagen. Angesichts des aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerbs fordern Wirtschafts- und Firmenvertreter schärfere Maßnahmen. Die wachsende Entschlossenheit der Wirtschaftslobby markiert eine Wende, nachdem Deutschland aus Sorge vor chinesischen Vergeltungsmaßnahmen lange vor Handelsbarrieren zurückschreckte.
Die Bundesregierung will nun Vorschläge erarbeiten, um auf die Handelsungleichgewichte zu reagieren. Die Position Deutschlands dürfte auch die Haltung der gesamten Europäischen Union prägen, deren Gespräche mit der Regierung in Peking für Oktober angesetzt sind. Einem Bericht der Industriestaaten-Gruppe OECD vom Juni zufolge erhielten chinesische Hersteller im Verhältnis zu ihrem Umsatz drei- bis achtmal mehr staatliche Hilfe als Konkurrenten aus den OECD-Ländern.



